Mittwoch, 9. November 2016

I do not vote with my vagina ...

„Die Message, die bei jungen Frauen in Deutschland und im Rest der Welt ankommt: Es kommt nicht darauf an, wie qualifiziert du bist, selbst wenn du so auf einen Job vorbereitet bist wie niemand zuvor. Am Ende gewinnt ein Mann, selbst wenn dieser unqualifiziert ist, uninformiert und von zweifelhafter mentaler Verfassung.“


So lautete ein heutiger Kommentar einer Website zur Wahl von Donald Trump. Und er machte mich stutzig: Melden sich jetzt doch all jene Frauen zu Wort, die meinen, allein das „Frausein“ hätte eine Hillary Clinton als bessere Kandidatin qualifiziert – so nach dem Motto: es ist an der Zeit, daß auch eine Frau in Amerika Präsidentin werden kann!
Diesem Argument stimme ich in der Sache zu, aber nur unter einer Prämisse: Wenn diese Frau auch wirklich die geeignetere Person ist! (Wobei ich jetzt hier politisch nicht abwägen kann oder will, wer in diesem konkreten Fall geeigneter gewesen wäre, denn das ist wiederum ein ganz anderes Thema.)
Aber wenn jetzt wieder die altbekannte Feminismus-Keule herausgeholt wird, beschäftigt mich doch Folgendes:
Schon mein Leben lang begleitet mich dieser irrgeleitete Pseudo-Feminismus, der allein meinem zufälligen Dasein als Frau in der heutigen Gesellschaft eine absolute Gleichstellung mit dem Mann zuerkannt haben will. Eine Gleichstellung, die ohne Frage in vielen Bereichen vonnöten ist, die von bewundernswerten Frauen hart erkämpft wurde, aber auch in den westlichen Gesellschaften bis heute noch nicht vollständig vollzogen ist ...
Dennoch hatte ich persönlich seit jeher etwas gegen dieses Label „Feministin“. Ich habe mich nie als solche gesehen – und bin trotzdem vielleicht mehr als viele von ihnen den Männern gleichgestellt. Ich habe mich immer als den Männern gleichwertig empfunden. Ich brauche so ein fragwürdiges Label nicht. Was ich in meinem Leben erreicht oder nicht erreicht habe, ist ausschließlich meinen eigenen Fähigkeiten oder Unfähigkeiten geschuldet. Und so war ich immer unbewußt der Überzeugung, mich von einem falsch verstandenen Feminismus „emanzipieren“ zu müssen. Denn genau dieser falsch verstandene Feminismus macht mich wütend. Wenn er sich heute wieder im Zusammenhang mit Hillary Clinton auftut, bedeutet er in letzter Konsequenz doch nur eines: eine Abwertung meiner Person! Denn nicht die Tatsache, daß ich etwas besser kann, soll mir demnach die besten Möglichkeiten eröffnen, sondern die Tatsache, daß ich eine Frau bin ...
Die Schauspielerin Susan Sarandon sagte vor ein paar Tagen zu diesem Thema den guten Satz: „I do not vote with my vagina! I want the right woman.“
Wenn wir also über die Gleichberechtigung von uns Frauen sprechen wollen, sollte man über diese beiden Sätze nachdenken …