Sonntag, 11. Juni 2017


Zwei Texte fielen mir diese Woche auf Facebook auf, die ich hier mit Euch teilen will , nein... muss!

Der erste ist ein Brief von Albert Einstein an seine Tochter, der zweite die letzten überlieferten schriftlichen Gedanken von Gabriel Maria Marquez.
Beide Texte sind lesenswert und berührend. Beide Texte unterscheiden sich in ihrer Stellung zu Gott. Marquez ist einer gläubigen -wenn auch kritischen - Gottesvorstellung verhaftet, Einstein verneint dies - natürlich - rigoros.
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Anrührend sind beide Texte, egal, wie man persönlich zu diesem unserem ominösen "Gott" stehen mag:

Als ich die Relativitätstheorie vorschlug, verstanden mich nur sehr wenige und was ich Dir jetzt zeigen werde, um es der Menschheit zu übertragen, wird auch auf Missverständnisse und Vorurteile in der Welt stoßen. Ich bitte Dich dennoch, dass Du es die ganze Zeit, die notwendig ist, beschützt –Jahre, Jahrzehnte, bis die Gesellschaft fortgeschritten genug ist, um das was ich Dir als Nächstes erklären werde, zu akzeptieren.
Es gibt eine extrem starke Kraft, für die die Wissenschaft bisher noch keine formelle Erklärung gefunden hat. Es ist eine Kraft, die alle anderen beinhaltet und regelt und die sogar hinter jedem Phänomen ist, das im Universum tätig ist und noch nicht von uns identifiziert wurde. Diese universelle Kraft ist LIEBE.Wenn die Wissenschaftler nach einer einheitlichen Theorie des Universums suchten, vergaßen sie die unsichtbare und mächtigste aller Kräfte.Liebe ist Licht, da sie denjenigen, der sie gibt und empfängt, beleuchtet. Liebe ist Schwerkraft, weil sie einige Leute dazu bringt, sich zu anderen hingezogen zu fühlen. Liebe ist Macht, weil sie das Beste was wir haben, vermehrt und nicht zulässt, dass die Menschheit durch ihren blinden Egoismus ausgelöscht wird. Liebe zeigt und offenbart. Durch die Liebe lebt und stirbt man. Liebe ist Gott und Gott ist die Liebe.Diese Kraft erklärt alles und gibt dem Leben einen Sinn in Großbuchstaben.Dies ist die Variable, die wir zu lange ignoriert haben, vielleicht, weil wir vor der Liebe Angst haben, weil es die einzige Macht im Universum ist, die der Mensch nicht gelernt hat, nach seinem Willen zu steuern.Um die Liebe sichtbar zu machen, habe ich einen einfachen Austausch in meiner berühmtesten Gleichung gemacht. Wenn wir anstelle von E = mc² zu akzeptieren, die Energie akzeptieren, um die Welt durch Liebe zu heilen, kann man durch die Liebe multipliziert mal der Lichtgeschwindigkeit hoch Quadrat zu dem Schluss kommen, dass die Liebe die mächtigste Kraft ist, die es gibt, weil sie keine Grenzen hat.Nach dem Scheitern der Menschheit in der Nutzung und Kontrolle der anderen Kräfte des Universums, die sich gegen uns gewendet haben, ist es unerlässlich, dass wir uns von einer anderen Art von Energie ernähren.Wenn wir wollen, dass unsere Art überleben soll, wenn wir einen Sinn im Leben finden wollen, wenn wir die Welt und alle fühlenden Wesen, die sie bewohnen, retten wollen, ist die Liebe die einzige und die letzte Antwort.Vielleicht sind wir noch nicht bereit, eine Bombe der Liebe zu machen, ein Artefakt, das mächtig genug ist, den gesamten Hass, Selbstsucht und Gier, die den Planeten plagen, zu zerstören. Allerdings trägt jeder Einzelne in sich einen kleinen, aber leistungsstarken Generator der Liebe, deren Energie darauf wartet, befreit zu werden.Wenn wir lernen, liebe Lieserl, diese universelle Energie zu geben und zu empfangen, werden wir herausfinden, dass die Liebe alles überwindet, alles transzendiert und alles kann, denn die Liebe ist die Quintessenz des Lebens.Ich bedauere zutiefst, nicht in der Lage gewesen zu sein, um das auszudrücken, was mein Herz enthält, das leise mein ganzes Leben für Dich geschlagen hat.Vielleicht ist es zu spät, mich zu entschuldigen, aber da die Zeit relativ ist, muss ich Dir sagen, dass ich Dich liebe und dass ich, dank Dir, bis zur letzten Antwort gekommen bin.Dein Vater,
Albert Einstein






Wenn für einen Augenblick Gott vergessen würde, dass ich eine Stoffmarionette bin und er mir noch einen Fetzen Leben schenken würde: die Zeit würde ich intensiver ausnutzen. Sehr wahrscheinlich würde ich nicht alles sagen was ich denke, aber ich würde überlegen, was ich sage. Ich würde die Dinge bewerten, nicht dafür, was sie Wert sind, sondern dafür,
was sie bedeuten. Ich würde weniger schlafen, ich würde mehr träumen, denn für jede Minute in der wir die Augen schließen, verlieren wir sechzig Sekunden Licht. Ich würde gehen wenn andere stehen bleiben und aufwachen wenn andere schlafen.
Wenn Gott mir einen Fetzen Leben schenken würde, einfach würde ich mich kleiden und mich in die Sonne stürzen und nicht nur meinen Körper sondern meine Seele öffnen. Den Menschen würde ich beweisen, wie sie sich irren wenn sie denken, dass sie sich nicht mehr verlieben könnten wenn sie alt werden, ohne zu wissen, dass sie alt geworden sind, weil sie sich nicht mehr verliebt haben.
Einem Kind würde ich Flügel schenken, aber ich würde ihm allein das Fliegenlernen überlassen. Den Alten würde ich lehren, dass der Tod nicht mit dem Altwerden kommt, sondern mit dem Vergessenwerden.
So viele Dinge habe ich von ihnen, den Menschen gelernt. Ich habe gelernt, dass die ganze Welt auf dem Gipfel des Berges zu leben bestrebt ist, ohne zu wissen, dass das wahre Glück daran liegt, wie man den Berg besteigt. Ich habe gelernt, dass, wenn ein Neugeborenes mit der Faust zum ersten Mal den Daumen des Vaters drückt, ihn für immer gefesselt hat.
Ich habe gelernt, dass ein Mensch nur das Recht hat auf einen anderen Mensch hinab zu blicken, wenn er ihm beim Aufstehen hilft. Es sind so viele Dinge, die ich von Ihnen gelernt habe, aber das Gelernte wird mir nicht viel nützen, wenn ich in dem Koffer aufbewahrt werde - unglücklicherweise liege ich im Sterben. Sag immer was du fühlst und mach was du denkst.
Wenn ich wüsste, dass heute das letzte Mal wäre, dass ich dich schlafen sehe, würde ich dich fest umarmen und Gott bitten der Schutzengel deiner Seele sein zu dürfen. Wenn ich wüsste, dass dies die letzten Minuten sind, in denen ich dich sehe, würde ich sagen: »Ich liebe dich« und ich würde es nicht für selbstverständlich hinnehmen, dass du es schon weißt.
Es gibt immer einen Morgen und das Leben gibt uns immer eine andere Chance, die Dinge gut zu machen. Aber was ist wenn ich mich irre und das Heute ist alles was uns übrig bleibt? Dann würde ich gerne sagen, wie sehr ich dich liebe und dass ich dich nicht vergessen werde.
Der Morgen ist niemandem versichert worden, jung oder alt. Heute kann es das letzte Mal sein, dass Du diejenigen siehst, die du liebst. Deshalb warte nicht, mach es jetzt, denn wenn der Morgen nie kommt, wirst du den Tag bereuen, als du keine Zeit hattest für ein Lächeln, eine Umarmung, einen Kuss, oder einen Wunsch zu erfüllen, weil du so beschäftigt warst.
Suche die Nähe deiner geliebten Menschen, flüstere ihnen zu wie sehr du sie brauchst, liebe sie und behandele sie gut. Nimm dir Zeit um ihnen zu sagen: »Tut mir Leid«, »Bitte«, »Danke« und alle Liebeswörter, die du kennst. Niemand wird sich für deine geheimen Gedanken an dich erinnern; bitte Gott, dass er dir Kraft und Weisheit gibt, sie auszudrücken. Sage deinen Freunden und geliebten Menschen, wie wichtig sie für dich sind. 
(Abschiedsbrief von Gabriel Garcia Marquez)