Sonntag, 17. September 2017

Am Anus Europas ....



EINE WOCHE VOR DER WAHL
Heute in einer Woche werden die Deutschen zu den Wahlurnen schreiten…
In der Mehrzahl die ewigen Zögerer und Zauderer, die sich unbedingt ihren „Weiter so-Kokon“ erhalten möchten, koste es, was es wolle – selbst die Zukunft ihrer Kinder…
Dann die in ihrer „Besorgnis“ grölend Begeisterten, geht es doch darum, eine Partei in den Bundestag zu befördern, die dem Land einen Vintage-Stil aufdrücken will, so eine Art „Shabby Chic“, was allerdings dann nicht mehr romantisch-schick, sondern eher bräunlich versifft sein wird…
Dann sind da noch die wirklich Unzufriedenen (nicht zu verwechseln mit den oben erwähnten „Besorgten“), die weiter nach vorne schauen und sich eine nachhaltige Politik wünschen, die das Wort Demokratie endlich wieder ernst nimmt und nicht weiterhin durch die Wörter Plutokratie und „Lobbykratie“ ersetzt.
Und am Schluß sind da noch all jene, die resigniert haben und sich den Gang zum Wahllokal gleich ersparen…
Die Umfragewerte schwanken je nach Umfrageinstitut, das große Bild bleibt jedoch in Umrissen gleich – mit einem Paukenschlag ist am nächsten Sonntag nicht zu rechnen. Es ist keine politische Veränderung zu erwarten für die weitere Legislaturperiode: bad business as usual…
Allenthalben darf man sich bis zum nächsten Sonntag noch die Frage stellen, wie viele bräunlichen Sitze diese abgetakelten Gestrigen und frisch Vergestrigten im Bundestag am Ende erhalten werden - ob sie überhaupt welche erhalten, steht leider schon längst nicht mehr zur Debatte!
Da ich in Deutschland schon lange nicht mehr wählen darf, könnte ich es mir doch schön auf meinem griechischen Sofa gemütlich machen und die Welt einfach Welt sein lassen. Nur so funktioniert das leider nicht, denn die deutsche Politik hat sich schon längst wieder eine gefährlich führende Stellung innerhalb Europas zurückerobert, unter anderem auch in Bezug auf Griechenland .
Und so betrifft das, was im fernen Deutschland passiert, natürlich auch mich hier am südöstlichen Anus Europas.…

Dienstag, 5. September 2017

Das Leben geht unter Zaudern verloren, und jeder Einzelne von uns stirbt in seiner Unrast. - Epikur

Darstellung des Epikur (Raffael, Die Schule von Athen)
Wenn einem der verständigste aller Ehemänner dringendst ans Herz legt, man solle doch mal wieder EPIKUR lesen und endlich das Leben "philosophieren" anstatt sich ständig Sorgen zu machen 😏 :

Es folgen der Gang zum Bücherregal und stundenlanges Rumschmökern während einer (weiteren) schlaflosen Nacht... 

Richard David Precht (Wer bin ich und wenn ja, wieviele?)  zum Beispiel schreibt über Epikur:
„Epikur hütet sich davor, einen Generalplan über das Wesen, die Entstehung und den Zustand der Welt zu entwerfen, wie so viele seiner Vorgänger in der griechischen Philosophie. Eigentlich will er überhaupt nichts vollständig erklären, denn überall entdeckt er Wissenslücken  und Erklärungsmangel.  Statt einer alles umfassenden Erkenntnistheorie wendet er sich der Frage zu: Was ist im Rahmen der begrenzten menschlichen Möglichkeiten ein gelingendes Leben?“

Volker Spierling (Kleine Geschichte der Philosophie) fasst Epikurs Gedanken so zusammen: „ Zwei Hindernisse stehen der Glückseligkeit im Wege: die Furcht vor Göttern und die Furcht vor dem Tode. Wer glückselig leben will, muss zunächst diese beiden Hindernisse, die die Seele beunruhigen, beseitigen und sodann die Lust mit Klugheit willkommen heißen. Der ganze Sinn der theoretischen Philosophie liegt darin, daß dieses Ziel in der konkreten Lebenspraxis des einzelnen erreicht wird.“ 

Nun, dieser Epikur ist mir doch immer wieder sympathisch. Aktueller denn je. Einer, der nicht vorgibt, alles zu wissen, einer, der sich nicht an irgendwelche Götter hängt, einer, der den Menschen als Menschen begreift – in all seinen ganz real begrenzten Möglichkeiten…

Hier auch für euch ein paar Gedanken aus dem reichen Epikureischen Garten:

Der Anfang des Heils ist die Kenntnis des Fehlers.

Wenn Gott den Gebeten der Menschen entsprechen würde, dann wären schon längst alle Menschen zugrunde gegangen, weil sie unablässig viel Schlimmes gegeneinander erbitten.

Gewöhne dich an den Gedanken, daß der Tod uns nichts angeht. Denn alles Gute und alles Übel beruht auf Empfindung, der Tod aber ist der Verlust der Empfindung. (…) Das schauerlichste Übel, der Tod, geht uns also nichts an. Denn solange wir sind, ist der Tod nicht da, und sobald er da ist, sind wir nicht mehr.

Wir dürfen nie vergessen, daß die Zukunft zwar gewiß nicht in unsere Hand gegeben ist, daß sie aber ebenso gewiß doch auch nicht ganz außerhalb unserer Macht steht.

Entweder will Gott die Übel in der Welt abschaffen und kann es nicht, dann ist er schwach; oder er kann es nicht und will es nicht, dann ist er schwach und schlecht, und in jedem Falle kein Gott, oder er kann und und will es , woher kommen dann die Übel? Und warum beseitigt er sie nicht?

Zieh dich dann vor allem in dich selbst zurück, wenn du gezwungen bist, unter vielen Menschen zu sein.

Jede Lust ist ein Gut, weil sie uns vertrauter Natur ist, doch sollte nicht jede gewählt werden - ebenso wie jeder Schmerz ein Übel ist, dennoch nicht jeder immer vermieden werden sollte.

Behandeln muß man Schicksalsschläge mit der Dankbarkeit für das Verlorene und mit der Erkenntis, daß man das Vergangene nicht ungeschehen machen kann.

Schlimm ist der Zwang, doch es gibt keinen Zwang, unter Zwang zu leben. 

Bei einem argumentationsfreudigen Streitgespräch erreicht der Unterlegene mehr, insofern er etwas dazulernt.


Auch die Selbstgenügsamkeit halten wir für ein großes Gut, nicht, um uns unter allen Umständen mit dem Wenigen zu begnügen, sondern damit wir, wenn wir das Viele nicht haben, mit dem Wenigen zufrieden sind, in der festen Überzeugung, daß jene den größten Genuß am Luxus haben, sie seiner am wenigsten bedürfen, und daß alles Naturgemäße leicht zu beschaffen ist, das Unnütze aber schwer.

Der Anfang und die Wurzel alles Guten ist die Lust des Magens; auch Weisheit und Überlegenheit lassen sich darauf zurückführen.

Mach dir deine eigenen Götter und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.