Mittwoch, 17. Januar 2018

Griechenland - auch keine neuen Nachrichten sind Nachrichten ...


Nach längerem Schweigen wird es wieder mal Zeit, über das Leben hier in Griechenland zu berichten. Wie sieht unser Leben hier mittlerweile aus, im x-ten Jahr der Krise?
Lasse ich das letzte Jahr vorüberziehen, so kann ich in unserer kleinen Werkstatt zwar keinen weiteren Umsatzabfall verbuchen, aber dennoch einen eklatanten Anstieg der Zahlungsschwierigkeiten meiner Kunden feststellen, was mir zunehmend Angst macht und mich auch in der Produktion oft in finanzielle Schwierigkeiten bringt. Der Ausblick auf das noch junge Jahr ist bei mir und meinen Kunden nicht gerade hoffnungsvoll. Von Aufatmen oder gar Aufbruchsstimmung keine Spur. Ganz im Gegenteil erzählt mir fast jeder Kunde, dass die Auftragslage zunehmend prekärer wird und ein schlechteres Jahr als 2017 zu erwarten ist. So gesehen ist also nach wie vor etwas faul im Staate Griechenland …
Weiterhin kämpfen Einzelhändler und kleine Unternehmen um ihr Überleben. Weiterhin beobachtet man das Schließen von Geschäften, wenn man durch die Straßen geht. Der vielbeschworene Aufschwung? Er mag vielleicht im großen Rahmen und bei Großunternehmen zu sehen sein, bei den in Griechenland so wichtigen kleinen und mittleren Unternehmen ist er nicht auszumachen. Gerade die Mittelschicht kämpft weiter gegen das langsame Sterben.
Und was sagen schon Zahlen und Statistiken aus? Zu jeder Statistik ließe sich wohl eine Gegenstatistik finden: Zögernd abnehmende Arbeitslosenzahlen? Ja, aber zu welchem Preis? Wenn junge Menschen mit Universitätsabschlüssen sich für 400 Euro und weniger im Monat irgendwo verdingen müssen, verschönern sie natürlich die Arbeitslosenstatistik, aber wenn es zum Leben hinten und vorne nicht reicht, welchen Sinn hat dieses Arbeitsverhältnis dann?
Wenn kleine Unternehmen überhaupt nur überleben können, indem sie ihre Abgaben und Steuern nicht entrichten (und dabei ungeahnte Schulden anhäufen), was für einen Sinn haben dann all die Steuererhöhungen?
Nicht besser sieht es auch auf dem Tourismus-Sektor aus, wo steigende Besucherzahlen bejubelt werden, davon aber vor allem die großen internationalen Reiseunternehmen und weniger die griechischen Hoteliers profitieren – von den prekären Arbeitsverhältnissen mit Hungerlöhnen und endlosen Arbeitsstunden gar nicht zu reden.
Und wenn weiterhin Rentenkürzungen und Lohnkürzungen die Kaufkraft der Menschen schmälern, wie sollen dann kleine und mittlere Unternehmen einen Aufschwung verbuchen, wie sollen die so dringend benötigten Arbeitsplätze geschaffen werden? Von den weiterhin existenziellen Problemen und prekären Lebenssituationen von so vielen Menschen ganz zu schweigen ... 

Aber all das ist ja nichts Neues. Es gibt mittlerweile genug Journalisten, die diese Missstände geißeln (und auf der anderen Seite genauso viele, die die vermeintlichen Errungenschaften der momentanen Regierung beweihräuchern) …
Und so befinden wir uns also im x-ten Jahre der Krise – ohne Aussicht auf Besserung. Wie der Parthenon ist auch das Land eine Baustelle ohne Ende. Die Regierung tönt, wir würden noch in diesem Jahr das Ende der Memoranden feiern können und „an die Märkte“ zurückkehren – verschweigt dabei aber wissentlich, dass das Land auf zig Jahre hinaus den harten Auflagen dieser Memoranden verschrieben bleiben wird, inklusive zunehmender Privatisierungen, Zwangsversteigerungen etc.
Derweil verabschiedet das Parlament weiterhin Gesetzesnovellen en masse, um an die so dringend benötigten Kredite zu gelangen. Die Frage, ob etwa eine neue Regierung es nach den kommenden Wahlen besser machen würde, stellt sich da schon längst nicht mehr: Unterschrift ist Unterschrift, daran können auch neue Regierungen nichts mehr ändern. Und so nimmt die allgemein um sich greifende Politikverdrossenheit immer weiter zu, verständlicherweise…

Das Fazit? Man stellt unter dem Strich fest, dass sich für uns, den einfachen Bürger, nichts geändert hat und auch in den nächsten Jahren nichts ändern wird – es sei denn zu noch Schlimmerem.

Und der geneigte Leser hier wird sich jetzt fragen, warum ich das alles geschrieben habe, wenn ich doch nichts Neues zu berichten habe. Aber genau das Wissen darum ist das, was ich mit meiner kleinen Bestandsaufnahme hier ausdrücken wollte:

Nichts Neues und keinerlei Hoffnung auf Besserung …